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Auditive Langzeitbeobachtung Schlieren

Die auditiven Materialien – Schallaufnahmen – des Projektes „Visuelle und Auditive Wahrnehmungsdispositive“ sind im Rahmen des Forschungsvorhabens „Auditive Langzeitbeobachtung Schlieren“ erstellt worden.
Die „Auditive Langzeitbeobachtung Schlieren“ der Auditory Architecture Research Unit (AARU) an der Universität der Künste Berlin ist ein auf 13 Jahre angelegtes Forschungsprojekt. Seit 2007 wird in einem zweijährigen Rhythmus die „Klangumwelt“ der Schweizer Stadt Schlieren erforscht. Der Begriff „Klangumwelt“ ist als „eine Situation in ihrer Ganzheit, welche sich durch die Wahrnehmung als Klang im Bewusstsein der Hörenden manifestiert“ (Arteaga und Kusitzky 2008, S. 250) definiert. In einer verdichteten Formulierung wird Klangumwelt als das „auditive und integrale Erfahren“ (Arteaga 2010) bestimmt. Demnach ist eine Klangumwelt weder im architektonischen Raum vorhanden noch das Ergebnis rein subjektiver Wahrnehmung. Eine Klangumwelt emergiert aus der situationsspezifischen Interaktion zwischen den physischen und kulturellen Gegebenheiten der architektonischen Umgebung und dem körperlichen und mentalen Agieren der Subjekte, die in dieser Umgebung handeln.
Die Hauptziele der „Auditiven Langzeitbeobachtung Schlieren“ sind zum einen die Transformation der gesamten Stadt Schlieren als Klangumwelt zu erfassen und zum anderen die Veränderungen der spezifischen Klangumwelten jedes Areals zu begreifen.

Dieses Projekt wurde als auditives Pendant der „Fotografische Langzeitbeobachtung Schlieren“ (ZHdK / IFCAR) entwickelt. An 24 Hörpunkten werden alle zwei Jahre Schallaufnahmen angefertigt. 

Für die Aufnahmen wird ein Kunstkopfmikrofon verwendet, ein Mikrofontyp der durch seine Konstruktionsweise binaurale Aufzeichnungen und hierdurch, bei der Wiedergabe über Kopfhörer, einen räumlichen Höreindruck ermöglicht, der dem Hören vor Ort sehr nahe kommt.
Die 63 Aufnahmepunkte der Fotografischen Langzeitbeobachtung bildeten eine wichtige Referenz für die Festlegung der auditiven Beobachtungspunkte. Die Reduktion der Anzahl der Punkte ergab sich aus dem Unterschied zwischen dem Auditiven und dem Visuellen. Während in einer Fotografie die Extension des aufgenommenen Raumes durch die Cadrage auf einen bestimmten Winkel in eine einzige Richtung reduziert wird, ist das auditive Aufnahmefeld nicht durch einen Betrachtungswinkel eingeschränkt, da der Hörraum eine sphärische Form hat.

Die für 2014 geplante Veröffentlichung dieses Projekts als Website wird zwei Leitideen folgen: erstens, die Wahrnehmung der Transformation von Schlieren seit 2007 durch das vergleichende Anhören der Aufnahmen zu ermöglichen und zweitens eine Präsentationsform zu finden, welche die Schallaufnahmen nicht realistisch-repräsentationalistisch darstellt. Damit ist eine Form der Präsentation gemeint, die nicht zulässt, die Schallaufnahmen als die Darstellung einer an sich existierenden Realität zu verstehen, sondern als Elemente einer ermergierenden Klangumwelt (siehe hierzu auch Ästhetik).

A.A., T.K.


Bibliographie:

Arteaga, Alex und Kusitzky, Thomas: "Klangumwelten". In: H. Schulze: Sound Studies: Traditionen – Methoden – Desiderate. Bielefeld 2008, 249-267

Arteaga, Alex und Kusitzky, Thomas.: "Auditive Architektur: Erforschung und Gestaltung architektonischer Klangumwelten". In: Archithese. 6. 2008, 34-35

Arteaga, Alex und Kusitzky, Thomas.: "Hörend Gestalten". In: TEC21. 22. 2008, 32-35

Arteaga, Alex: “Auditive Architektur“, in: kunsttexte.de, Auditive Perspektiven. 4. (http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/2010-4/arteaga-alex-1/PDF/arteaga.pdf), 2011

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