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Transfer: Aufbereitung der in den Workshops generierten Materialien

Output der Workshops bilden Transkriptionen der Gruppengespräche und Perceptual Maps. Diese Materialien wurden bearbeitet und den Teilnehmenden der Workshops zur Verfügung gestellt. Ziel ist eine Aufbereitung und Gestaltung der Materialien in einer verdichteten Form, welche eine Reaktivierung der ästhetischen Erfahrung in den Workshops ermöglichen soll. Ergebnis ist ein Heft, das eine Textmontage aus Exzerpten der transkribierten Gespräche einer Auswahl an bearbeiteten Perceptual Maps der Teilnehmenden gegenüberstellt. Der Textteil in der oberen Seitenhälfte enthält Exzerpte aller Teilnehmer und ist in allen Heften derselbe. Die Perceptual Maps in der unteren Seitenhälfte stammen jeweils ausschliesslich von einem einzelnen Teilnehmer, d.h. es wurde für jeden Teilnehmer ein individuell konzipiertes Exemplar hergestellt.
Diese Materialsammlung bildet die Grundlage für die Evaluation der Veränderungen im ästhetischen Raum in Schlieren durch die beteiligten Vertreter der Stadt Schlieren und von Metron Raumentwicklung AG. Ausgehend von der Materialsammlung erstellen die Teilnehmenden je zwei Beschreibungen Schlierens: Eine für 2005 und eine für 2012. Diese Beschreibungen stellen den Ausgangspunkt für die Beurteilung der in diesem Zeitraum wahrgenommenen Veränderungsprozesse dar. Eine in digitaler Form zur Verfügung gestellte, formatierte Serie von Bildern und Schallaufnahmen, die sich von der Struktur her an der Konzeption der Wahrnehmungsdispositive orientiert, soll die Arbeit mit der Materialsammlung unterstützen.

Bearbeitung der transkribierten Gespräche

Aus den Transkriptionen der moderierten Gruppengespräche, die in den beiden Workshops stattgefunden hatten, werden einzelne Exzerpte herausgelöst und sprachlich bearbeitet. Ausgewählt werden Exzerpte, in denen sich Beobachtungen, Wahrnehmungen, Aussagen und Wertungen zum ästhetischen Raum und seiner Transformation zuspitzen und verdichten. In der Bearbeitung bleiben der Charakter der gesprochenen Sprache und die Ich-Form erhalten, die Exzerpte sind jedoch depersonalisiert, d.h. die einzelnen Aussagen können nicht bestimmten Teilnehmern zugeordnet werden.

Die Exzerpte werden zu einem durchlaufenden Text mit thematischen Schwerpunkten montiert. Schwerpunkte im Text sind:

  • die Auseinandersetzung mit der Ausgangssituation 2005, insbesondere den Brachen und Leerflächen in den zukünftigen Entwicklungsgebieten
  • spezifische räumliche Qualitäten an ausgewählten Standorten in Wohngebieten, Gewerbegebieten, Erholungsräumen und im Zentrum
  • Veränderungsprozesse in den Umstrukturierungs-Arealen, in denen umfangreiche Neubauten realisiert wurden (Rietbach, Schlieren West, Zentrum)
  • Aussagen zur Transformation der gesamten Stadt, insbesondere zum Verhältnis von Dynamik und Stagnation bzw. von Homogenität und Heterogenität


Innerhalb der Exzerpte werden einzelne ästhetisch generierte und produktive Ausdrücke und Formulierungen hervorgehoben. Diese Hervorhebungen betonen und verdichten die ästhetischen Erfahrungen des Stadtraums, welche die Teilnehmenden in den Workshops gemacht haben. Qualitäten im sinnlich wahrnehmbaren Raum werden zum Einen über Adjektive ausgedrückt. Sie werden jedoch ebenso in Metaphern gefasst, anhand von einzelnen konkreten Objekten oder Klängen beschrieben oder über abstraktere Begriffe wie Ortsbezeichnungen oder die Charakterisierung bestimmter Raumtypen dargestellt. Das Hervorheben soll die Verflechtung dieser unterschiedlichen Ebenen der ästhetischen Raumerfahrung deutlich machen. Der Übergang von Beschreibung zu Bewertung ist dabei fliessend: Qualitäten und Werte sind einerseits explizit formuliert, andererseits implizit in den Beschreibungen enthalten.

Ziel dieser Bearbeitung ist eine Reaktivierung des ästhetischen Erfahrungsraumes in den Workshops. Das Hervorheben soll zudem eine Verbindung zu den Perceptual Maps, die im Heft jeweils auf der unteren Seitenhälfte zu sehen sind, erzeugen, obwohl der Text als durchgehender Lauftext gelesen werden kann. Über die hervorgehobenen Begriffe ist eine Lesart möglich, welche die im Text angesprochenen Qualitäten, Werte und Veränderungsprozesse in Beziehung zu den in den Perceptual Maps erfassten, diagrammatisch erschlossenen Qualitäten setzt.

Gegensätzliche und widersprüchliche Wahrnehmungen und Wertungen werden stehen gelassen. Montage und Hervorhebung arbeiten die Vielfältigkeit der Zugänge zum Stadtraum, welche durch die Dispositiv-Nutzung ermöglicht wurde, heraus, und präsentieren die sprachliche Artikulation der ästhetischen Erfahrung in einer verdichteten Form. Der sinnlich-emotionale Raum ist nicht unabhängig von der wahrnehmenden Person denkbar. Die subjektiven Erfahrungen und Artikulationen, die in der Text-Montage zum Ausdruck kommen, sind jedoch nicht beliebig, sondern geprägt durch die systematische Arbeit mit den Wahrnehmungsdispositiven und die spezifische professionelle Perspektive der Teilnehmenden. Die Text-Montage versucht eine Darstellungsweise zu entwickeln, in der dieses Subjektive und Fragmentarische der ästhetischen Erfahrung für die weitere Nutzung im Rahmen der Evaluation zugänglich wird.

Bearbeitung der Perceptual Maps

Die Perceptual Maps, die jeder Teilnehmer im zweiten Workshop erstellt hat, wurden mit dem Ziel bearbeitet, neue Perspektiven für das reenactment bzw. die Reaktivierung der bei der Realisierung der Maps hervorgebrachten ästhetischen Realität von Schlieren zu öffnen. Jede bearbeitete Map ermöglicht eine andere Form ästhetischer Interaktion und bildet somit einen neuen Rahmen für die generative Erschließung von Schlieren als Gefüge sinnlich-emotionaler Qualitäten. Die Bearbeitung der Perceptual Maps dient somit der Intensivierung und Diversifizierung des Prozesses von Reenactmet, der anhand jeder einzelnen, unbearbeiteten Map bereits möglich ist. (siehe perceptual maps)
Es wurden fünf verschiedene Bearbeitungsoperationen durchgeführt. Die erste Operation bestand in der Isolierung einzelner Begriffe bzw. Begriffsgruppen. Sie wurden aus der ursprünglichen map herausgetrennt und kontextlos präsentiert. 

Als zweite Form der Bearbeitung wurden einzelne Begriffe durch Linien verbunden. Diese Operation ermöglicht, neue Relationen zwischen einzelnen Qualitäten zu denken, die im Kontext der unbearbeiteten Map übersehen werden könnten. Diese Operation wurde meistens in Kombination mit der ersten eingesetzt.

Eine der Aktionen, welche die Perceptual Maps konfigurieren, besteht in der Gruppierung einzelner Qualitäten durch ihre Nähe zueinander auf der Fläche. Qualitäten bilden dadurch Cluster, die spezifische Sinnzusammenhänge im Rahmen der gesamten Qualitätsgestalt formieren. Diese die Maps generierende Aktion wurde als dritte Bearbeitungsoperation auf die fertigen Maps angewendet, indem neue Cluster durch das Einkreisen von Qualitäten, die verschiedenen Gruppen zugeordnet waren, gebildet wurden. 

Das vierte Bearbeitungsverfahren bestand in der Hervorhebung einzelner Qualitäten bzw. Qualitätsgruppen. Diese Operation dient ihrer neuen Situierung im Rahmen der gesamten Map. 

A.A., M.W.

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